Drohnen

Drohnen, d. h. Luftfahrzeuge ohne Personenbesatzung, die entweder eigenständig operieren oder ferngesteuert werden, kommen für verschiedene logistische Aufgaben in Betracht.

Innerhalb der Intralogistik wird ihr Einsatz neben dem Materialtransport auch für Inspektion, Inventur und Überwachung erprobt.

Als Quadro- oder Multikopter haben Drohnen sehr wendige Flugeigenschaften, so dass sie auf engstem Raum operieren können, folglich auch innerhalb von Gebäuden. Während am Boden einer Lager- oder Montagehalle reger Verkehr herrscht, ist der Luftraum darüber größtenteils frei. Da liegt es nahe, den Luftraum für eine schnelle Lieferung ans Band oder zur Kommissionierstation zu nutzen.

Gesteuert werden die Fluggeräte nicht manuell, sondern mittels hochleistungsfähiger Software, welche den einzelnen Drohnen die effizientesten Aufträge und Wege zuweist und darüber wacht, dass die kleinen Transporter nicht miteinander, anderen Objekten im Lager oder gar Menschen kollidieren. Die Navigation erfolgt dabei vornehmlich mit Laser-, Ultraschall- und anderen Sensoren, die sich über WLAN mit der Softwaresteuerung verbinden. Voraussetzung für den Einsatz von Drohnen ist demzufolge eine moderne IT-Infrastruktur, weshalb Drohnen eher für größere Lagerkapazitäten von Interesse sein. Dort findet sich meist schon ein hochmoderner, auf Produktivität getrimmter Prozessablauf mit dynamischen Einlagerungs- und Bereitstellungssystemen, der mittels der Drohnen zusätzlich optimiert werden kann. [1]

Einsatz im Hochregallager
Die klein dimensionierten Geräte verfügen trotz ihrer geringen Abmessungen schon über eine ausreichende Tragkraft, um Gegenstände zu transportieren oder mit hochauflösenden Kameras und Scantechnik bestückt zu werden. Dadurch eignen sich Drohnen für den Einsatz in Lagern, in deren teils schmalen und hohen Regalreihen sie problemlos navigieren können. Besonders in hochbauenden Systemen verringert sich dank der Drohnen das Risiko, dass sich die Beschäftigten durch Arbeiten in der Höhe verletzen. [1]

Produktionslogistik: Schneller Transport von Ersatzteilen ans Montageband
Um Leerlaufzeiten der Maschinen und Produktionsausfälle auf ein Minimum zu reduzieren, kommt es in der Bereitstellung von Ersatzteilen auf Schnelligkeit an. Wo Menschen oder FTS in großen Werkhallen vielleicht den Überblick verlieren oder lange Wegzeiten benötigen, fliegen die intelligenten Transportsysteme direkt zu den begehrten Teilen und bringen sie auf dem schnellsten Weg dahin, wo sie gebraucht werden, was sich besonders positiv bemerkbar macht, wenn die Teile auf unterschiedliche, dynamische Lagerplätze aufgeteilt sind.
Der Autohersteller Audi setzt testweise in seinem Ingolstädter Werk Drohnen ein. Die Drohnen fliegen mit 8 km/h auf einer definierten Versuchsstrecke durch die Hallen, ihre Nutzlast liegt bei 2 kg. Größere Lasten sind technisch realisierbar, wirken sich jedoch unmittelbar auf die Dimensionierung der Drohne aus. Gerade in beengten Hallen ist es jedoch wichtig, die Systeme möglichst klein zu halten. [1]

Einsatz von Drohnen in der Lagerinventur
Normalerweise werden die Warenbestände manuell von Beschäftigten kontrolliert und gezählt. Mit Hilfe von Drohnen lässt sich der Inventur-Prozess automatisieren und deshalb auch nachts oder am Wochenende durchführen. Während ihrer Flüge erfassen die Geräte die vorhandenen Bestände per Kamera und Scanner, kontrollieren gleichzeitig das Inventar und melden die Ergebnisse direkt an das Warenbestandssystem. So wird eine permanente und präzise Erfassung der Lagerbestände über das gesamte Jahr hinweg möglich.
Das US-Handelsunternehmen Walmart führt die Kontrollen seiner Lagerbestände bereits per Drohne durch.
Ein auf die Durchführung von Inventuren spezialisiertes System wurde von Linde Material Handling zusammen mit dem französischen Automatisierungsexperten Balyo entwickelt. Die sogenannte ‚Flybox‘ wurde auf der LogiMAT 2017 in Stuttgart präsentiert und soll die gesetzlich vorgeschriebenen Inventurprozesse stark vereinfachen, damit Unternehmen Zeit und Kosten sparen. [1]

Mit der kommerziellen Nutzung von Drohnen in der Intralogistik beschäftigt sich ein im Januar 2019 neu gegründeter Arbeitskreis des Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik im VDMA. Er will die Integration wirtschaftlich funktionierender Usecases in Lager- und Produktionsprozesse und mit der Technologie verbundene Herausforderungen diskutieren. Die größten Herausforderungen werden derzeit in Bezug auf den Datenschutz sowie in luft- und arbeitsrechtlichen Sicherheitsfragen gesehen. Eine erste Übersicht gibt es in Form der Handreichung ‚Unbemannte Luftfahrtsysteme – UAS (Drohnen)‘ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), welche derzeit aktualisiert wird. Zudem wird an technische Standards gearbeitet.

Quellenhinweis
[1] Kardex Remstar: Drohnen in Lager und Produktion (April 2017), https://intralogistik.tips/drohnen-in-lager-und-produktion, Abruf am 14. Februar 2019

Verfasser
K. Wedekind
I.N.Geschäftsstelle
https://www.intralogistik-bw.de

Sachstand
Februar 2019
Im Herbst 2018 gingen die I.N.Fachbeiräte ‚Wissenschaft‘ und ‚Wirtschaft‘ davon aus, dass Drohnen erst in einigen Jahren die Branche Intralogistik erobern dürften, weil auf technischer Seite noch Verbesserungen erforderlich und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären sind.