Gridsorter

Ein Gridsorter ist ein Sorter und Sequenzer, der aus baugleichen Modulen aufgebaut ist. Bei herkömmlichen Sortern wird die Ware durch Ausschleusung von einer Linie oder einem Ring sortiert, beim Gridsorter ähnelt der Aufbau eher einem Schachbrett. Er besteht aus einzelnen 90-Grad-Umsetzern, die eine zusammenhängende Fläche aus Fördermodulen bilden.
Jedes dieser Module kann hierbei Daten verarbeiten und selbstständig Entscheidungen treffen. Damit wird eine hohe Flexibilität in Bezug auf die Warensortierung garantiert. Durch die dezentrale Arbeitsweise können im Störfall alle anderen Sortiermodule weiterhin normal betrieben werden – ein bedeutsamer Vorteil im Vergleich zu den klassischen, zentralen Steuerungen, die meist einen Single Point of Failure darstellen und bei einem Ausfall das Gesamtsystem stilllegen. Das Gesamtsystem erreicht so eine hohe Verfügbarkeit.

Vorteile gegenüber herkömmlichen Systemen
Der Gridsorter kombiniert hohen Durchsatz mit hoher Flexibilität und hoher Verfügbarkeit. Die einzelnen Module eines Gridsorters haben je nach zugrunde liegendem Layout eine unterschiedliche Auslastung, die sich dynamisch im Betrieb verändern kann. Somit können Module, die weniger ausgelastet sind erkannt und als Puffer für einzelne Fördergüter eingesetzt werden. Die Endstellen des Gridsorters können, sollte nur wenig Platz vorhanden sein, eng beieinander liegen und sind in ihrer Anzahl variabel. Aufgrund dessen ergeben sich neben den traditionellen Anwendungsfeldern auch neue, in denen Sorter bisher nicht eingesetzt wurden.
Ein solches neues Anwendungsfeld wäre beispielsweise die Sequenzierung und Sortierung als Bindeglied zwischen Automatischem Kleinteilelager (AKL) und den Kommissionierarbeitsplätzen. Durch die Möglichkeit, Fördergüter auf dem Sorter zu puffern, kann die durchschnittliche Zugriffszeit verkürzt und die Kontinuität des Förderstroms erhöht werden. Durch den Einsatz eines Gridsorters kann demnach die Systemleistung eines AKL erhöht und angepasst werden, was zu einem robusteren Gesamtsystem führt.
Außerdem stellt der Gridsorter eine Alternative zu konventionellen Systemen, wie Gleitschuh- oder einfachen Cross-Belt-Sortern dar. Das bedeutet, dass der Gridsorter auch bei der Paketsortierung und im E-Commerce eingesetzt werden kann. Vorteile ergeben sich hier durch den deutlich geringeren Platzbedarf und die hohe Verfügbarkeit. Aufgrund der Tatsache, dass der Sorter stets mit den intakten Modulen weiterarbeitet und nach alternativen Transportrouten sucht, ist die Verfügbarkeit des Gesamtsystems hoch. Dank großer Pufferkapazität und flexiblem Layout eignet sich der Gridsorter auch für Cross-Docking-Anwendungen.

Beispiel GEBHARDT GridSorter
Nachdem in Zeiten von Industrie 4.0, cyber-physischen Systemen und dem Internet der Dinge (Internet of Things) immer höhere Anforderungen an Produktion und Logistik gestellt werden – insbesondere in Bezug auf die Anpassungsfähigkeit einzelner Komponenten – hat das Unternehmen GEBHARDT Fördertechnik GmbH in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein solches modulares System auf Basis des GEBHARDT FlexConveyor aufgebaut. Der GEBHARDT GridSorter kann eine Sortierleistung von bis zu 12.000 Einheiten pro Stunde realisieren. Sein Plug&Play-System erlaubt eine einfache Inbetriebnahme, die dezentrale Steuerung verfügt über eine selbstständige Layouterkennung und -einstellung, außerdem werden Störungen automatisch erkannt und kompensiert.
Die einzelnen Fördermodule des GEBHARDT GridSorter erhalten alle erforderlichen Komponenten, um selbstständig Entscheidungen zu treffen und auszuführen. Dazu gehören zum einen Sensoren und zum anderen Aktoren. Sensoren erkennen die Position der Ladungsträger während Aktoren die Ladungsträger bewegen. Die verbauten Sensoren und Aktoren sind an die Steuerung des Fördermoduls, die sogenannte FlexBox angeschlossen. Diese kann basierend auf den gelieferten Daten, Entscheidungen treffen. Jede FlexBox eines Fördermoduls ist via Ethernet mit den FlexBoxen der benachbarten Modulen verbunden, um eine Kommunikation durch den Austausch von Nachrichten zu ermöglichen. Mittels einer Rahmenkonstruktion kann der GridSorter installiert werden. An dieser Rahmenkonstruktion können sowohl Zuführungen und Fördermodule als auch Abführungen einfach angebracht werden. Bei einem auftretenden Defekt können diese somit einfach und schnell einzeln ausgetauscht werden.

Der GEBHARDT GridSorter ähnelt in seinem Aufbau einem Schachbrett aus mehreren Fördermodulen
(GEBHARDT 2018)

GEBHARDT GridSorter: https://www.youtube.com/watch?v=–oA-V6emRI


Verfasser
GEBHARDT Intralogistics Group // GEBHARDT Marketing-Abteilung
https://www.gebhardt-foerdertechnik.de


Sachstand
Januar 2019
Im Herbst 2018 gingen die I.N.Fachbeiräte ‚Wissenschaft‘ und ‚Wirtschaft‘ davon aus, dass Gridsorter innerhalb der nächsten drei Jahre in unterschiedlichen Varianten auf den Markt kommen, und dann als Teilsegment selbstorganisierender Fördertechnik eine wichtige Rolle einnehmen dürften.